Plüschtiere zaubern ein Lächeln in Kindergesichter

Hartmut Volkmar von der Plüti in Sonneberg bringt einen großen Karton mit Spielzeug in die Tafel, aus dem die ukrainischen Mädchen und Jungen schnell ihr Lieblingstier entdecken.
Sonneberg – „Ich bin auch noch klein“, sagt Sylvia Möller, als sie einen Blick in den großen Karton wirft, den Hartmut Volkmar in die Räumlichkeiten der Tafel mitgebracht hat. Am liebsten möchte sich jeder Erwachsene, der an diesem Nachmittag mit dabei ist, so ein putziges Tierchen aussuchen. Aber Hartmut Volkmar muss enttäuschen. „Die sind alle für die ukrainischen Mädchen und Jungen“, sagt er.
Ganz genau 55 Stück haben in den großen Karton gepasst. „Ach, ist der süß“, kann es Sylvia Möller nicht fassen und zeigt einen Waschbären in die Runde. Die Kinder stimmen ihr zu, entdecken aber immer wieder ein neues Plüschtier, das sie fasziniert. Mäuschen, Esel, Teddys, Pferde, Schweinchen, Pferd, Amsel oder Äffchen sitzen da eng an eng. Eins nach dem anderen wird herausgenommen und genau bewundert. „Ischak“, erklärt ein Junge stolz, und schnell weiß man, dass er den Esel meint. „Mischka“, weiß indessen das kleine Mädchen, das sich ein Mäuschen herausgesucht hat. Ganz nebenbei lernt man also ukrainisch oder deutsch.
„Das machen wir aber auch in unseren Kursen“, weiß Sylvia Möller. Die „Neuankömmlinge“ aus der Ukraine sollen sich so schnell wie möglich hier im fremden Land zurechtfinden, und Voraussetzung ist dafür nun einmal die Sprache. Deshalb hat man kurzerhand zwei Deutsch-Kurse organisiert, die von Gerd Maier und Antje Hoger gehalten werden.

Hartmut Volkmar hat indessen Sascha und Oksana entdeckt. Die Beiden kennt er bereits von seinen Spaziergängen mit seinem Hund. „Wir haben uns schon öfter im Stadtpark getroffen“ erzählt er. Als Merle Stark, die Tochter von Diakonie-Leiter, Klaus Stark, ihn anspricht und nachfragt, ob er denn nicht etwas für die kleinen Kriegsflüchtlinge tun kann, ist er sofort dabei. Sie ist in der Plüti keine Unbekannte, kommt oft in dem Spielwarenbetrieb vorbei und hat auch heute noch einen engen Kontakt zu den Firmenchefs. „So ein Tierchen wäre doch genau das richtige für die Kinder, die mit ihren Müttern vor dem Krieg in der Ukraine flüchten mussten“, überlegt sie. Beim Anblick in die zauberhaften Gesichter könnten sie so das, was sie in ihren jungen Leben schon erleben mussten, wenigstens für eine kurze Zeit vergessen. „Aber natürlich, die haben doch gar nichts mehr, denn sie konnten es ja in der Eile gar nicht mitnehmen“, begründet er. Ruckzuck sind aus dem großen Vorrat der plüschigen Gesellen die passenden Exemplare herausgesucht und verpackt. „Die waren zum Glück alle schon gestopft“, ist er zufrieden. Gerne möchte er aber auch so ein Stopfen für die kleinen Ukrainer organisieren. „Das ist doch für jeden immer ein ganz besonderes Highlight“, weiß jeder, der schon einmal bei Hartmut Volkmar ein Plüschtier gestopft hat. „Mit Herzchen und Geburtsurkunde“, kann sich jeder erinnern. Leider kann Merle nicht sehen, wie viele Lächeln sie mit ihrer Idee in die Kindergesichter gezaubert hat. „Sie studiert in Würzburg und kann heute nicht dabei sein“, erzählt ihre Mutti und hält alles im Bild fest. „Da kann sie sehen, wie sehr sich alle gefreut haben“, begründet sie.
„Wir wollen aber auch in nächster Zeit noch ein paar Ausflüge für ukrainischen Familien organisieren“, verrät Klaus Stark. Gedacht ist dabei unter anderem an das Naturkundemuseum oder an den Zoo in Leipzig. „Da werdet ihr so manches dieser Tierchen live sehen“, ist er überzeugt.
Viele der 55 plüschige Gesellen finden an diesem Nachmittag ein neues Zuhause. „Alle anderen werden wir noch verteilen“, verspricht Sylvia Möller, und Hartmut Volkmar sagt Nachschub zu, falls man den brauchen sollte.
Nach einem Hinweis von der Mutti verabschieden sich die Kleinen mit einem Spasiba (Danke) und sagen „Tschüss“. Ein Wort können sie also schon, der Rest wird aber kommen, denn Kinder lernen ja bekanntlich schnell.
Bevor sie wieder nach Hause in ihre neuen Wohnungen gehen, wollen sie aber noch mit Straßenmalkreide malen. Schnell wird der Hof vor dem Haus in der Marienstraße bunt. Jeder versucht, das Tier, das er vor Kurzem geschenkt bekommen hat, zu malen und schnell sind Maus, Esel oder Amsel zu sehen.

cn

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